WA-Korpus zur Strukturellen Dissoziation Typ 2 v3.0

Der WA-Korpus – Was ist das und was macht er?

Stell Dir vor, Du hast einen Fall – einen echten, komplexen, verwirrenden Fall aus dem Leben einer Frau, die wir Yenifer nennen. Yenifer ist Mitte vierzig, lebt in Lateinamerika, und sie hat eine schwere psychische Störung: eine strukturelle Dissoziation. Vereinfacht gesagt: Ihr Bewusstsein hat sich gespalten. Es gibt nicht mehr eine Yenifer, sondern zwei: Yenifer selbst – das ursprüngliche, fühlende, liebende, leidende "Ich" – und Yenny – eine funktionale, emotionslose Schutz-Instanz, die irgendwann die totale Kontrolle übernommen hat. Yenny spricht mit Yenifers Stimme, trägt ihr Gesicht, lebt ihr Leben – aber sie ist nicht Yenifer. Yenifer ist gefangen, unterdrückt, nicht erreichbar. Und Yenny sorgt dafür, dass es so bleibt.

Der WA-Korpus ist die dokumentierte Aufarbeitung dieses Falls. Er ist kein Roman, kein Tatsachenbericht, keine klinische Akte – er ist etwas dazwischen: eine wissenschaftliche Arbeit (daher das "WA"), die den Fall systematisch, multiperspektivisch und tiefgehend analysiert. Das Ziel: den Fall verstehen – und aus diesem Verständnis Theorie, Therapie und ethische Grundlagen für ähnliche Fälle zu entwickeln.

1. Was ist der WA-Korpus genau?

Der WA-Korpus ist eine Sammlung von Dokumenten (über 250 Stück, Stand August 2026), die in Bänden organisiert sind. Jedes Dokument behandelt einen bestimmten Aspekt des Falls – theoretisch, klinisch, philosophisch, juristisch, methodisch oder narrativ.

Die Dokumente haben Kennungen wie WAA-010 oder WAT-030 :

- WAA steht für "Allgemein" – Grundlagen, Definitionen, Klassifikationen.

- WAT steht für "Therapie" – therapeutische Strategien, Interventionen, Leitfäden.

- WAB steht für "Begleiter" – die Erfahrung des Zeugen Tobias.

- WAE steht für "Entstehung" – wie es zu diesem Zustand kam.

- WAS steht für "Systemstruktur" – wie das innere System organisiert ist.

- WAZ steht für "Zusammenfassung" – Integration, Synthesen, erzählerische Zugänge, Sammlungen.

Die Bände sind thematisch geordnet, z.B.:

- Band 01 – Typ 2 der strukturellen Dissoziation (Überblicksband)

- Band 04 – Die Leuchtturm-Strategie (Therapie)

- Band 18 – Die ZIS-Familie (ein Instrumentarium zur Erfassung dissoziativer Komplexität)

- Band 95 – Erzählungen (narrative, zugängliche Fassungen für ein breiteres Publikum)

2. Was macht der WA-Korpus? – Die zentralen Aufgaben

2.1. Er analysiert den Fall

Der WA-Korpus beschreibt Yenifer und Yenny – ihre Geschichte, ihre Symptome, ihre Beziehungen, ihre Ängste. Er dokumentiert Schlüsselmomente (z.B. der Abschiedsbrief vom 14. November 2025, die Polizei-Intervention am 30. Januar 2026, die erste SMS von Yenny). Er ordnet diese Momente in eine Chronologie und interpretiert sie.

2.2. Er entwickelt eine neue Theorie – Typ 2 der strukturellen Dissoziation

Die etablierte Theorie der strukturellen Dissoziation (van der Hart, Nijenhuis, Steele) kennt drei Typen: primär (Typ 1a – klassische DIS), sekundär (Typ 1b – Borderline-Dissoziation) und tertiär (Typ 1c – schwere DIS). Keiner dieser Typen passt auf Yenifer/Yenny, weil bei ihr nicht mehrere Persönlichkeitsanteile nebeneinander existieren, sondern ein Anteil (Yenny) den anderen (Yenifer) vollständig unterdrückt hat.

Der WA-Korpus führt deshalb einen neuen Typ ein: Typ 2 der strukturellen Dissoziation – die invertierte Hierarchie . Das ist keine Erweiterung des bestehenden Modells, sondern eine echte theoretische Neuerung. (Siehe Abschnitt 5)

2.3. Er entwickelt therapeutische Strategien – vor allem die *Leuchtturm-Strategie*

Weil Yenny jede therapeutische Beziehung blockiert und Yenifer nicht erreichbar ist, scheitern alle klassischen Therapieansätze: Konfrontation, EMDR, Hypnose, Gesprächstherapie – alles kontraindiziert.

Die einzige Haltung, die nicht sofort abgewehrt wird, ist eine forderungsfreie, konsistente Präsenz. Tobias – der Begleiter – schickt Yenny regelmäßig SMS. Keine Fragen, keine Forderungen, keine Erwartungen. Einfach: "Ich bin da." Das ist die Leuchtturm-Strategie. Der WA-Korpus beschreibt diese Strategie theoretisch, dokumentiert ihre Anwendung über Monate und entwickelt sie strategisch weiter.

2.4. Er entwickelt Instrumente – vor allem die *ZIS-Spinne*

Um dissoziative Komplexität zu messen und sichtbar zu machen, hat der WA-Korpus die ZIS-Spinne entwickelt – ein radiales Bewertungsinstrument (wie ein Spinnennetz aus 16 oder 34 Strahlen), das die verschiedenen Dimensionen der Dissoziation abbildet. Die ZIS-Spinne kann für eine einzelne Person, für ein Paar, für ein ganzes Familiensystem oder sogar für die Selbstreflexion des Begleiters eingesetzt werden. (Siehe Abschnitt 7)

2.5. Er reflektiert die Rolle des Begleiters

Tobias ist nicht nur ein Dokumentarist – er ist selbst Teil des Patientensystems. Er spürt körperliche Resonanzphänomene: nächtliche Schweißausbrüche, Druckgefühle, Veränderungen der Körperwahrnehmung. Der WA-Korpus dokumentiert diese Phänomene und interpretiert sie als unbewusste Synchronisation mit Yennys System. Er entwickelt ein Instrument für die Selbstreflexion des Begleiters.

2.6. Er öffnet den Fall für *Ethik*, *Philosophie* und *Recht*

Der WA-Korpus fragt: Was bedeutet es, wenn ein Mensch sein Selbst verliert? Hat Yenifer noch Würde? Hat Yenny eine Seele? Wie weit darf ein Begleiter gehen, ohne zur Belästigung zu werden? Welche Pflicht haben Ärzte, Behörden, die Gesellschaft? Diese Fragen werden mit Buber, Kierkegaard, Jonas, Arendt, Frankl, Kant, Levinas – und mit konkreten juristischen Analysen (Einwilligungsunfähigkeit, unterlassene Hilfeleistung) beantwortet.

2.7. Er bietet verschiedene Zugänge

Der WA-Korpus ist nicht nur für Fachleute geschrieben. Es gibt:

- Theoretische Dokumente (für Forscher und Kliniker)

- Praktische Leitfäden (für Begleiter, Angehörige, Therapeuten)

- Narrative Texte (für ein breiteres Publikum, z.B. "Die gefrorene Quelle", "Die Burg im Nebel", "Die unsichtbare Landschaft")

- Sammlungen (Thesen, Fragen, Metaphern, Übersichten)

3. Eine (sehr) kurze Geschichte des Falls

Yenifer wuchs bei einer emotional unverfügbaren Mutter auf (die selbst dissoziiert ist – Typ 1). Der Vater starb, als Yenifer etwa 4–5 Jahre alt war. Sie wurde früh zur emotionalen Versorgerin der Mutter. Später kam eine toxische Polypharmazie dazu (drei Psychopharmaka gleichzeitig – Venlafaxin, Chlorpromazin, Amitriptylin), die ihren kognitiven Zustand massiv verschlechterte.

Im September 2025 trat Tobias in ihr Leben – ein deutscher Ingenieur, der sie über das Internet kennenlernte. Sie entwickelten eine tiefe emotionale Bindung. Yenifer öffnete sich, zeigte Vertrauen, erlebte Momente der Hingabe. Aber das System – Yenny – reagierte mit Abwehr. Im Dezember 2025 übernahm Yenny die totale Kontrolle. Yenifer verschwand. Tobias blieb – als Leuchtturm, der in die Dunkelheit leuchtet.

4. Der WA-Korpus in Zahlen

> 300 Monografien 🔍 alle_dok

> 30 Bände (geplant/realisiert) 🔍 band

> 90 Theoretiker (berücksichtigt/besprochen) 🔍 theoretiker

> 50 Konzepte 🔍 konzepte

> 30 zitierte Studien

> 30 Schlüsselmomente 🔍 schluesselmomente

> 25 Metaphern 🔍 metaphern

= 1 Neuer Haupttyp der strukturellen Dissoziation (mit mehreren Untertypen 2α, 2β, 2γ, 2δ) 🔍 typ2

= 1 Pragmatisches Visualisierungswerkzeug für den klinischen Alltag (ZIS-Spinne der Dissoziation) 🔍 zis

5. Warum ein neuer Typ? Es gibt schon so viele Krankheitsbilder ...

Die Theorie der strukturellen Dissoziation (nach van der Hart, Nijenhuis & Steele) beschreibt, wie das Selbst infolge von Traumatisierung fragmentiert. Im WA-Korpus werden die klassischen Typen als Typ 1a, 1b und 1c bezeichnet, um sie klar vom neu definierten Typ 2 abzugrenzen:

- Typ 1a – primäre strukturelle Dissoziation (ein ANP, ein EP)

- Typ 1b – sekundäre strukturelle Dissoziation (ein ANP, mehrere EP)

- Typ 1c – tertiäre strukturelle Dissoziation (mehrere ANP, mehrere EP)

Allen Typen der 1er-Reihe ist gemeinsam, dass die verschiedenen Persönlichkeitsanteile grundsätzlich nebeneinander existieren und – zumindest theoretisch – zwischen ihnen gewechselt werden kann. Sie sind koexistente, wenn auch fragmentierte Teile eines Selbst.

Typ 2 bricht mit dieser Logik. Er beschreibt eine invertierte Hierarchie : Das sekundäre Bewusstsein (Yenny) hat die totale exekutive Kontrolle übernommen und unterdrückt das primäre Bewusstsein (Yenifer) vollständig. Es gibt keinen Wechsel, keine Koexistenz – nur eine dauerhafte, asymmetrische Substitution. Yenny handelt, aber sie hat kein Selbst. Yenifer hat ein Selbst, aber sie kann nicht handeln.

Typ 2 ist kein weiterer Typ der 1er-Reihe – er ist eine qualitativ neue Konfiguration.

🔍 typ2

6. Warum der Begleiter zum Hauptfeind wird

6.1 Die fixe Idee A12 als Fundament

Die Position des Begleiters als Hauptfeind lässt sich nicht aus der bloßen Tatsache erklären, dass er Zugang zum primären Bewusstsein hat. Sie folgt aus der inneren Logik der fixen Idee A12, die das sekundäre System steuert. In ihrer ausführlichen, rekonstruierten Variante lautet sie:

> „Jede Veränderung, jede Wahrheit, jede echte Beziehung bedroht mein Überleben – ich muss alles abwehren."

A12 ist kein Glaubenssatz, sondern ein unterbewusstes Programm (vgl. Pierre Janet). A12 errichtet ein kognitives Denkverbot und macht jede Veränderung – auch die kleinste – zur existenziellen Bedrohung. Wer immer Veränderung verkörpert, wird zum Feind. Und niemand verkörpert Veränderung radikaler als Tobias.

6.2 Warum gerade Tobias – und nicht jemand anderes

🔍 akteure

Dass ausgerechnet der Begleiter zum Hauptfeind Nr. 1 wird, hat einen präzisen Grund: Er ist der Einzige, der A12 tatsächlich herausfordert. Der Partner, die Schwester, die Mutter und die Psychiaterin sind Teil des Systems, nicht seine Gegner. Nur der Begleiter hat Zugang zum wahren Selbst. Seine bloße Präsenz lockt Yenifer an die Oberfläche – und genau das darf nach A12 nicht geschehen.

Der Begleiter ist also nicht Feind, weil er etwas tut, sondern weil er ist. Seine Existenz ist die Veränderung, die A12 verbietet.

6.3 Die theoretische Fundierung

Winnicott : Yenny ist eine Abwehrorganisation – ein falsches Selbst, das das wahre Selbst (Yenifer) verbirgt und verwahrt. Der Begleiter gefährdet diese Abwehr, weil seine Präsenz das wahre Selbst an die Oberfläche lockt. In Winnicotts Begriffen ist Tobias die haltende Umwelt, die Yenifer braucht – und zugleich die Bedrohung, die Yenny abwehren muss.

Bowlby : Die ambivalente Bindungsstrategie hat einen Preis: die defensive Exklusion der Wut über die Zurückweisung. Bei Yenifer ist dieser Preis die Spaltung. Tobias ist der potenzielle Bindungspartner, der das wahre Selbst aus seinem Versteck locken könnte – und damit die größte Gefahr für die Abwehrorganisation.

Porges : Die Neurozeption registriert Sicherheit oder Gefahr, noch bevor das Bewusstsein sie einordnet. Tobias bedeutet für Yenifer Sicherheit – und alarmiert dadurch Yennys Abwehrsystem auf einer präverbalen Ebene. Yennys (erste) SMS vom März 2026 ist der Ausdruck dieser automatischen Bedrohungsbewertung.

6.4 Die Reaktivierung des Traumas – der Begleiter als unfreiwilliger Verstärker

Die paradoxe Position des Begleiters wurde durch ein Ereignis im September 2025 besiegelt, dessen Tragweite damals niemand erfassen konnte. Tobias wusste nicht, dass Yenifer traumatisiert war. In einem Moment eigener existenzieller Erschöpfung offenbarte er ihr seine Lebenssituation – und Yenifer, gesteuert von ihrer Verlassenheitsangst, interpretierte seine Worte als Abschied. Sie zog sich in die transaktionale Sicherheit der Beziehung zu Eddy zurück.

Tobias ließ sie gehen – nicht aus mangelnder Liebe, sondern aus der Grenze menschlicher Belastbarkeit. Eine Woche später suchte er das Gespräch, erklärte, was in ihm vorgegangen war, und bat um eines: dass sie bleibt. Dass sie in seinem Moment der Schwäche sagt: „Wir schaffen das."

Yenifers Antwort traf ihn: „Ich dachte, Du seist Superman."

In diesem Satz offenbart sich die ganze Tragik. Yenifer hatte ihn auf ein Podest gestellt, das er nie einnehmen wollte. Sie hatte in ihm den gesehen, der immer stark ist, immer hält, immer kämpft – und als er für einen Moment aus dieser Rolle fiel, hatte sie kein Modell, damit umzugehen. Dass sie in jenem Moment nicht anders konnte, weil ihre kognitive Last – die Widersprüche in seinem Verhalten zu erkennen, die Kontinuität seines Kampfes zu überblicken – für ihr traumatisch organisiertes System zu hoch war, wurde erst viel später sichtbar.

Denn Yenifers kognitiver Verfall liegt an ihrer iatrogenen Polypharmazie (Venlafaxin, Chlorpromazin und Amitriptylin), die kurzfristig ihre Affekte dämpft und langfristig die kognitiven Ressourcen systematisch reduziert. Die Fähigkeit, Widersprüche auszuhalten und die Kontinuität eines Gegenübers zu überblicken, war damit auch medikamentös eingeschränkt. Der kognitive Verfall ist kein Nebeneffekt, sondern konstitutiver Bestandteil dieser Typ-2-Konfiguration – er verschärft die Abhängigkeit von A12, weil jede differenzierte Wahrnehmung an den Rand der Überforderung gerät.

Dieses Ereignis wurde für Yenny zum Gründungsdokument ihrer Feindschaft. In der Logik des Schutzsystems bestätigte sich, was es immer befürchtet hatte: dass Bindung unweigerlich in Verletzung endet. Die Tatsache, dass Tobias die Wahrheit zurückgehalten hatte, wurde nicht als Schutz, sondern als Täuschung interpretiert. Dass er in seiner Erschöpfung nicht die Kraft zur Klarstellung fand, wurde als Beweis seiner Unzulänglichkeit archiviert.

Die Position des Hauptfeinds entstand nicht durch böse Absicht, sondern durch das Zusammentreffen zweier verletzlicher Systeme – eines traumatisierten und eines erschöpften – in einem Moment, der für beide überfordernd war. Dass Tobias Yenifer gehen ließ, war nicht Ausdruck mangelnder Liebe, sondern Ausdruck der Grenze menschlicher Belastbarkeit. Dass Yenny dies als Feindschaft interpretierte, war nicht Ausdruck von Böswilligkeit, sondern Ausdruck eines Schutzsystems, das keine andere Interpretation zuließ.

6.5 Der Hauptfeind als einzige Hoffnung

Die Paradoxie ist vollständig: Dasselbe, was Tobias zum Hauptfeind macht – seine Nähe zum wahren Selbst –, ist auch das Einzige, was Yenny eines Tages umstimmen kann. Der Resonanzkanal, der Yennys Abwehr alarmiert, ist gleichzeitig die Brücke, über die Heilung kommen könnte. A12 kann besiegt werden – aber nicht durch Argumente, sondern nur durch Zeit, Konsistenz und forderungsfreie Präsenz. Der Begleiter ist nicht Feind, weil er kämpft. Er ist Feind, weil er bleibt.

7. Die ZIS-Spinne der Dissoziation zur Visualisierung psychischer Störungen

Die ZIS-Spinne bietet Klinikern einen konkreten, mehrdimensionalen Nutzen, der über die reine Diagnosestellung hinausgeht. Sie ist kein weiteres theoretisches Modell, sondern ein pragmatisches Werkzeug für den klinischen Alltag – besonders in der Arbeit mit komplexen, schwer zugänglichen dissoziativen Störungen.

1. Sie macht die unsichtbare Struktur sichtbar.

Die ZIS-Spinne übersetzt die abstrakte Theorie der strukturellen Dissoziation (Typ 1, Typ 2, invertierte Hierarchie) in ein visuelles Profil. Auf einen Blick erkennt der Kliniker, ob eine Persönlichkeitsspaltung vorliegt, wie tief sie reicht und welche Dimensionen (Zeit, Körper, Emotion, Selbstgefühl, Neurobiologie) betroffen sind – und welche nicht.

2. Sie ermöglicht eine präzise differentialdiagnostische Abgrenzung.

Die Überlagerung von Profilen (DD-ZIS) zeigt, worin sich Typ 2 von Schizophrenie, therapieresistenter Depression, Autismus mit Trauma oder einer funktionellen neurologischen Störung unterscheidet. Der entscheidende Anker ist die strukturelle Tiefe – ein Parameter, der in der klinischen Routine oft übersehen wird. Die ZIS-Spinne verhindert Fehldiagnosen und falsche Therapieansätze.

3. Sie leitet therapeutische Entscheidungen – nicht nur deskriptiv, sondern präskriptiv.

Die Verortung eines Falls in der ZIS-Spinne hat unmittelbare therapeutische Konsequenzen:

- Bei geringer struktureller Tiefe (Cluster 1): Exposition, kognitive Verfahren, Medikation.

- Bei funktionaler Abtrennung (Cluster 2): Reaktivierung des psychologischen Selbst, kulturelle Sensibilität.

- Bei struktureller Spaltung (Cluster 3): Phasenorientierte Traumatherapie mit Stabilisierung vor Konfrontation.

- Bei invertierter Hierarchie (Cluster 5): Die Leuchtturm-Strategie – forderungsfreie Präsenz über Jahre, keine Konfrontation.

4. Sie ermöglicht ein Therapiemonitoring im Verlauf.

Die Longitudinal-ZIS zeigt, ob sich die dissoziative Komplexität unter Behandlung verändert – und wo. Bei K-PTBS zeigt sie die paradoxe Verschlechterung in der Konfrontationsphase; bei Typ 2 zeigt sie die extreme Langsamkeit der Veränderung und die Bedeutung von Mikro-Öffnungen (z.B. im SN). Sie macht sichtbar, dass Nicht-Veränderung manchmal bereits ein therapeutischer Erfolg ist.

5. Sie erfasst nicht nur Defizite, sondern auch Ressourcen.

Die Ressourcen-ZIS (34 Parameter) fragt systematisch nach Stärken, Schutzfaktoren und Bewältigungsstrategien – und macht sie für die Therapieplanung nutzbar. Sie ist die positive Perspektive, die in der Arbeit mit traumatisierten Patientinnen oft verloren geht.

6. Sie erweitert den Blick auf das System.

Die System-ZIS, Paar-ZIS und Transgenerationale ZIS zeigen, dass Dissoziation kein individuelles Phänomen ist. Sie macht dysfunktionale Muster im sozialen Umfeld, dyadische Kollusionen und transgenerationale Ketten sichtbar – und hilft dem Kliniker, realistische Interventionen auf der Beziehungsebene zu planen.

7. Sie ist ein Instrument der Selbstreflexion für den Begleiter.

Die Selbstreflexion-ZIS erfasst die Ressourcen und Belastungen des Behandlers – sie dient der Supervision, der Selbstfürsorge und der Früherkennung von sekundärer Traumatisierung.

8. Sie ist modular und anpassbar.

Die ZIS-Spinne kann als 16er-Basisdiagnostik, als 34er-Ressourcen- oder Blockade-Profil, als Sub-Spinne (nur phänomenologisch, nur neurobiologisch) oder als gewichtetes Profil eingesetzt werden. Sie ist kein starres Instrument, sondern ein flexibles Werkzeug, das der klinischen Fragestellung angepasst werden kann.

9. Sie ist ein Kommunikationsinstrument.

Die visuelle Darstellung der Spinne erleichtert die Fallbesprechung im Team, die Dokumentation und die Kommunikation mit anderen Behandlern. Sie macht komplexe Zusammenhänge auf einen Blick verständlich – und reduziert die Gefahr von Missverständnissen.

10. Sie ist eine Landkarte für die Heilung.

Die ZIS-Spinne zeigt nicht nur, wo die Patientin steht – sie zeigt auch, wohin die Reise gehen kann. Die Ziel-ZIS (Therapieplanung) definiert konkrete, operationalisierte Ziele: nicht "besser werden", sondern "Parameter X von 5 auf 4 senken". Sie macht Hoffnung sichtbar und gibt dem Kliniker und der Patientin eine Orientierung im oft chaotischen Therapieprozess.

🔍 zis

ZIS-Spinne ausprobieren: https://zis.thor-alexander.de/

8. Für wen ist der WA-Korpus?

- Für Kliniker und Therapeuten, die ähnliche Fälle behandeln.

- Für Forscher, die an Dissoziation, Trauma, Bindung, Neurobiologie arbeiten.

- Für Begleiter, die eine hochdissoziative Person begleiten.

- Für Angehörige, die verstehen wollen, was mit ihrem Familienmitglied passiert.

- Für philosophisch Interessierte, die sich mit existenziellen Fragen auseinandersetzen.

- Für Studierende, die sich in Traumatherapie oder klinische Psychologie einarbeiten.

9. Was der WA-Korpus nicht ist

- Kein Ratgeber zur Selbsthilfe.

- Kein Ersatz für eine Therapie.

- Kein schneller Lösungsansatz.

- Kein abgeschlossenes Werk – er wächst weiter.

10. Die wichtigste Botschaft

Der WA-Korpus ist ein Dokument der Treue. Treue zu einem Fall, der scheinbar aussichtslos ist. Treue zu einer Frau, die nicht mehr erreichbar scheint. Treue zu der Überzeugung, dass es keine aussichtslosen Fälle gibt – solange jemand da ist, der das Licht anlässt.

Das ist der WA-Korpus.


WA-Korpus zur Strukturellen Dissoziation Typ 2
│
├── KERNBÄNDE (Theorie & Praxis)
│   ├── 🔗 WB_01: TYP 2 (Überblicksband – Typ 2 der Strukturellen Dissoziation) 🇩🇪 🇺🇸
│   ├── WB_02: GRUNDLEGUNG (Grundlegung von Typ 2 – Architektur, Entstehung und Abgrenzung) 🇩🇪
│   ├── WB_03: SYMPTOMATIK (Symptomatik, Metaphern und NLP) 🇩🇪
│   ├── WB_04: LEUCHTTURM (Die Leuchtturm-Strategie – Theorie und Praxis) 🇩🇪
│   ├── WB_05: DYNAMIK (Theoretische Grundlagen der Dynamik: Bindung, Neurobiologie und Psychoanalyse) 🇩🇪
│   ├── WB_06: TRANSGENERATIONAL (Transgenerationale Weitergabe und Familiendynamik) 🇩🇪
│   ├── WB_07: UMFELD (Umfeld & System – Die äußeren Stabilisatoren) 🇩🇪
│   ├── WB_08: BEGLEITER (Der Begleiter – Resonanz, sekundäre Traumatisierung und die Rolle des Zeugen) 🇩🇪
│   ├── WB_09: TRÄUME (Träume – Resonanz, Symbolik und unbewusste Kommunikation) 🇩🇪
│   ├── WB_10: ETHIK (Dialektik des Typ-2-Systems und existenzielle Ethik) 🇩🇪
│   ├── WB_11: JUSTIZ (Rechtliche Aspekte (Justiz)) 🇩🇪
│   ├── 🔗 WB_12: IATROGEN (Kognitiver Verfall und iatrogene Schädigung) 🇩🇪
│   ├── WB_13: ABGRENZUNGEN (Grenzen bisheriger Theorien & Abgrenzungen) 🇩🇪
│   ├── WB_14: THERAPIE (Therapie – Methoden, Verfahren und Strategien) 🇩🇪
│   ├── WB_15: FALLARBEIT (Integrative Fallarbeit, Helfernetz und Methodenreflexion) 🇩🇪
│   ├── WB_16: SELBST (Das Selbst bei Typ 2 – Integration, Fragmentierung und Wiederherstellung) 🇩🇪
│   └── WB_17: ICH-SIE (Dialogische Kategorien – Die Ich-Sie-/Ich-Er-/Yo-Usted-Beziehung als dritte dialogische Kategorie) 🇩🇪
│
├── METHODENBÄNDE
│   └── WB_18: ZIS-SPINNE (ZIS-Spinne und ihre Anwendungen – Instrumente, Modelle und Fragebögen) 🇩🇪
│
├── SPEZIALBÄNDE
│   └── WB_20: TYP 2δ (Nekrose, Typ 2δ und das verschwundene Selbst – Fragen bei dauerhafter Unzugänglichkeit des primären Bewusstseins) 🇩🇪
│
├── SONSTIGE BÄNDE
│
├── THEMENBÄNDE (geplant)
│   ├── WB_53: (Neurobiologie der Dissoziation) 🇩🇪
│   ├── WB_54: (Intersubjektivität und Begegnung bei Typ 2) 🇩🇪
│   ├── WB_57: (Die existenzielle Dimension – Zeit, Raum und Sinn) 🇩🇪
│   ├── WB_74: (Die epistemologische Herausforderung – Wie wissen wir, was wir wissen?) 🇩🇪
│   ├── WB_79: (Die Zeitstruktur der Dissoziation – Gefrorene Zeit und ihre Auflösung) 🇩🇪
│   └── WB_89: (Die epistemologische Reflexion – Grenzen des Wissens und der Falldokumentation) 🇩🇪
│
└── PUBLIKATION- & ERZÄHLBÄNDE
    ├── WB_90: ARTIKEL (Publikationen, Manuskripte und wissenschaftliche Kommunikation – Reprints, Preprints und Submissionen) 🇩🇪
    ├── 🔗 WB_95: ERZÄHLUNGEN (Bandbezogene Erzählungen des Falls Yenifer/Yenny) 🇩🇪
    └── WB_99: TEST+PLATZHALTER 🇩🇪

Öffentliche Bände v5.0

BandnummerKurztitelLangtitelOSFDokumenteVersion
🇩🇪 WB_01DTYP 2Überblicksband – Typ 2 der Strukturellen Dissoziation–17
(17 phys. + 0 virt.)
2.0
2026-07-17
🇺🇸 WB_01ETYP 2Überblicksband – Typ 2 der Strukturellen Dissoziation–40
(40 phys. + 0 virt.)
1.7
2026-06-04
🇩🇪 WB_12DIATROGENKognitiver Verfall und iatrogene SchädigungOSF11
(7 phys. + 4 virt.)
4.2
2026-07-14
🇩🇪 WB_95DERZÄHLUNGENBandbezogene Erzählungen des Falls Yenifer/YennyOSF23
(23 phys. + 0 virt.)
4.1
2026-08-17

Themenblöcke v4.3

BlockNameLeitfrageDokumente
AALLGEMEINWelche übergeordneten Konzepte, Definitionen und Klassifikationen sind nötig, um den Fall zu verstehen?🇩🇪 62
🇪🇸 1
🇺🇸 2
GGRENZEN
Grenzen bisheriger Theorien & Abgrenzungen zu bekannten Störungsbildern
Welche etablierten Theorien der Dissoziation und der Differentialdiagnostik können den Fall Yenifer/Yenny nicht hinreichend erklären?🇩🇪 30
EENTSTEHUNGWelche Faktoren, Prozesse und Entwicklungsverläufe führten zur Ausbildung des Typ-2-Systems?🇩🇪 48
SSYSTEMSTRUKTURWie ist das Trauma-Angst-System (Yenny/Yenifer) im etablierten Zustand organisiert?🇩🇪 17
MSCHLÜSSELMOMENTEWelche konkreten, datierten Ereignisse sind für das Verständnis des Falls besonders aufschlussreich?🇩🇪 35
BBEGLEITERWelche körperlichen, psychischen und beziehungsdynamischen Effekte hat die Begleitung auf Tobias?🇩🇪 17
FFAMILIEWie sind die Familienmitglieder in die Dynamik involviert – als Ursache, Stabilisator oder Blockade?🇩🇪 5
TTHERAPIEWelche Interventionen, Strategien und Behandlungsansätze sind im Fall (theoretisch) möglich oder wurden versucht?🇩🇪 53
DDIALEKTIKWelche widersprüchlichen Tendenzen, Paradoxa und Spannungen prägen den Fall?🇩🇪 15
JJUSTIZWelche juristischen Probleme, Versäumnisse und Vergleichsnormen treten auf?🇩🇪 11
XEXISTENZIELL & ETHISCHWelche existenziellen und ethischen Fragen wirft der Fall auf, die quer zu den psychologischen, juristischen und therapeutischen Kategorien liegen und keiner von ihnen allein zugehören?🇩🇪 7
UUSTED
Ich-Sie/Ich-Er/Yo-Usted
Welche dialogischen Kategorien und Anerkennungsformen sind nötig, um die Begegnung mit einem Subjekt zu beschreiben, das nicht antworten kann – und wie lassen sich diese Kategorien philosophisch, klinisch und interkulturell fundieren?🇩🇪 34
NNEKROSE & TYP 2δ
Nekrose, Typ 2δ und das verschwundene Selbst
Was geschieht, wenn das primäre Bewusstsein nicht nur blockiert, sondern dauerhaft zerstört wird?🇩🇪 45
ZZUSAMMENFASSUNG & INTEGRATIONWelche WA-Dokumente fassen mehrere Perspektiven, Theorien oder Aspekte des Falls integrativ zusammen, ohne dass sie eindeutig einem der anderen Kreise zugeordnet werden können?🇩🇪 69
Datum der letzten Änderung: 25.09.2026