Detailansicht zu WAE-230 v7.0

Sprachversionen

Sprache Datei Version Band Titel DOI + Link
🇩🇪 WAE-230D 3.1 05 Mentale Repräsentationen (RIGs) nach Daniel Stern ¦

Dokumentdetails: 🇩🇪 WAE-230D

Version: 3.1 (Datum: 2026-04-19)

YAML-Daten von WAE-230D

Keine YAML-Daten.

Kapitel 1 von WAE-230D
## 1. Einleitung

### 1.1 Daniel Stern – Leben und Werk

Daniel N. Stern wurde am 16. August 1934 in New York City geboren und starb am 12. November 2012 in Genf, Schweiz. Er studierte Medizin an der Harvard Medical School und absolvierte eine Facharztausbildung in Psychiatrie. Später wurde er Psychoanalytiker am Columbia University Center for Psychoanalytic Training and Research. Stern war einer der Pioniere der Säuglingsforschung – einer interdisziplinären Wissenschaft, die das Verhalten und die psychischen Prozesse von Neugeborenen und Kleinkindern mit mikroanalytischen Methoden untersucht.

Sein Hauptwerk *The Interpersonal World of the Infant* (1985) revolutionierte das Verständnis der frühen Kindheit. Stern zeigte, dass Säuglinge von Geburt an aktive Wahrnehmer sind, die über komplexe intersubjektive Fähigkeiten verfügen – lange bevor sie Sprache entwickeln. Er führte das Konzept der RIGs (Representations of Interactions that have been Generalized) ein, um zu beschreiben, wie wiederkehrende Interaktionserfahrungen zu generalisierten, impliziten Erwartungen verdichtet werden.

Stern lehrte und forschte an der Cornell University, an der University of Geneva und am Institut für Psychosoziale Medizin in Lausanne. Er war bekannt für seine Fähigkeit, mikroanalytische Beobachtungen mit psychoanalytischer Theorie zu verbinden, ohne dabei spekulativ zu werden. Seine Arbeit hat die Entwicklung der Bindungstheorie (Bowlby, Ainsworth), der Intersubjektivität (Trevarthen) und der Säuglingspsychotherapie maßgeblich beeinflusst.

Für den Fall Yenifer/Yenny ist Sterns Konzept der RIGs besonders relevant, weil es die präverbale, implizite Prägungen beschreibt, die Yenifers spätere Beziehungsmuster und ihre Dissoziationsneigung begründen.

### 1.2 Was sind mentale Repräsentationen (RIGs) nach Stern?

Der amerikanische Psychoanalytiker und Säuglingsforscher Daniel N. Stern (1934–2012) revolutionierte das Verständnis der frühen Kindheit durch seine mikroanalytischen Videostudien der Mutter-Kind-Interaktion. In seinem Hauptwerk *„The Interpersonal World of the Infant“* (1985) führte er das Konzept der RIGs – Representations of Interactions that have been Generalized ein. Gemeint sind generalisierte mentale Repräsentationen wiederkehrender Interaktionserfahrungen. Der Begriff wird im Deutschen als „Generalisierte Interaktionsrepräsentationen“ übersetzt.

Sterns zentrale These: Der Säugling ist von Geburt an kein passiver, undifferenzierter Organismus, sondern ein aktiver Wahrnehmer, der wiederkehrende Interaktionsmuster mit seiner Bezugsperson erkennt, speichert und zu prototypischen inneren Modellen verdichtet. Diese RIGs sind die Bausteine des sich entwickelnden Selbst. In *The Interpersonal World of the Infant* (1985) schrieb er:

> *“RIGs are flexible structures that represent the average of several real episodes and form the prototype that stands for them all.”*
> (Stern, 1985, S. 111)

Deutsche Übersetzung (sinngemäß):
> *„RIGs sind flexible Strukturen, die den Durchschnitt mehrerer realer Episoden repräsentieren und den Prototypen bilden, der für sie alle steht.“*

Im Fall Yenifer/Yenny (Typ 2 der strukturellen Dissoziation) ist das Konzept der RIGs relevant, weil es die Entstehung innerer Arbeitsmodelle beschreibt, bevor Sprache und bewusste Reflexion verfügbar sind. Yenifers präverbale Erfahrungen mit der emotional unverfügbaren Mutter wurden zu generalisierten Interaktionsrepräsentationen verdichtet – die Grundlage für ihre späteren Beziehungsmuster und für die Spaltung ihres Selbst.

---

Physischer Band: WB_05D – Theoretische Grundlagen der Dynamik: Bindung, Neurobiologie und Psychoanalyse

Keine Banddatei gefunden.

Datum der letzten Änderung: 25.09.2026