Detailansicht zu WAE-242D 🇩🇪 v7.0
Sprachversionen
| Sprache | Datei | Version | Band | Titel | DOI + Link |
|---|---|---|---|---|---|
| 🇩🇪 | WAE-242D | 2.0 | 05 | Anwendung der erweiterten Intersubjektivität auf Borderline, Schizophrenie und bipolare Störung | ¦ |
Dokumentdetails: 🇩🇪 WAE-242D
Version: 2.0 (Datum: 2026-04-20)
YAML-Daten von WAE-242D
Keine YAML-Daten.
Kapitel 1 von WAE-242D
## 1. Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)
Kernproblem der klassischen Intersubjektivität (Benjamin, 1995):
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird oft als Störung der Anerkennung beschrieben. Der Patient kann kein stabiles Selbstgefühl entwickeln, weil frühe Bezugspersonen ihn nicht als eigenständiges Subjekt anerkannt haben (invalidierende Umwelt, Linehan). In der therapeutischen Dyade kommt es zu Spaltung (splitting) – der Therapeut wird abwechselnd idealisiert und abgewertet, weil der Patient gute und böse Objektrepräsentationen nicht integrieren kann.
Erweiterung durch das Modell (S77-097):
| Phänomen bei BPS | Erweiterte intersubjektive Deutung |
|------------------|-------------------------------------|
| Spaltung (idealisiert vs. abgewertet) | Das intersubjektive Feld ist diskontinuierlich: Der Patient wechselt zwischen zwei Modi – dem idealisierenden Subjekt (der Therapeut ist das „gute Objekt“) und dem abwertenden Subjekt (der Therapeut ist das „böse Objekt“). Die beiden Modi sind durch Amnesie getrennt? Nein, bei BPS gibt es keine einseitige Amnesie wie bei Dissoziation – der Patient erinnert sich an beide Modi, kann sie aber nicht integrieren. |
| Identitätsstörung | Es existiert kein einheitliches Subjekt, aber auch keine zwei völlig getrennten Bewusstseinströme. Eher ein oszillierendes Subjekt, das zwischen verschiedenen Selbstzuständen wechselt, ohne dass einer den anderen kontrolliert oder unterdrückt. |
| Anerkennungsdefizit | Die frühe Dyade mit der Mutter war asymmetrisch: Die Mutter erkannte das Kind nicht als eigenständiges Subjekt an. Der Patient sucht zeitlebens nach Anerkennung, kann sie aber nicht annehmen, weil er keine stabile Subjektposition hat. |
| Therapeutische Dyade | Der Therapeut muss die Spaltung aushalten, ohne in die Idealisierung oder Abwertung einzusteigen. Die erweiterte Intersubjektivität würde hier die einseitige Anerkennung betonen (ähnlich wie beim Leuchtturm): Der Therapeut erkennt den Patienten an, auch wenn der Patient ihn abwertet. |
Grenze des Modells: Bei BPS gibt es keine invertierte Hierarchie (wie bei Typ 2) – kein sekundäres System kontrolliert das primäre. Die Spaltung ist eine Spaltung des Selbst, nicht eine Spaltung des Bewusstseins in zwei getrennte Ströme. Das erweiterte Modell ist für BPS daher nur begrenzt nützlich – es erklärt die Anerkennungsdynamik, nicht die formale Struktur.
---
Kernproblem der klassischen Intersubjektivität (Benjamin, 1995):
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird oft als Störung der Anerkennung beschrieben. Der Patient kann kein stabiles Selbstgefühl entwickeln, weil frühe Bezugspersonen ihn nicht als eigenständiges Subjekt anerkannt haben (invalidierende Umwelt, Linehan). In der therapeutischen Dyade kommt es zu Spaltung (splitting) – der Therapeut wird abwechselnd idealisiert und abgewertet, weil der Patient gute und böse Objektrepräsentationen nicht integrieren kann.
Erweiterung durch das Modell (S77-097):
| Phänomen bei BPS | Erweiterte intersubjektive Deutung |
|------------------|-------------------------------------|
| Spaltung (idealisiert vs. abgewertet) | Das intersubjektive Feld ist diskontinuierlich: Der Patient wechselt zwischen zwei Modi – dem idealisierenden Subjekt (der Therapeut ist das „gute Objekt“) und dem abwertenden Subjekt (der Therapeut ist das „böse Objekt“). Die beiden Modi sind durch Amnesie getrennt? Nein, bei BPS gibt es keine einseitige Amnesie wie bei Dissoziation – der Patient erinnert sich an beide Modi, kann sie aber nicht integrieren. |
| Identitätsstörung | Es existiert kein einheitliches Subjekt, aber auch keine zwei völlig getrennten Bewusstseinströme. Eher ein oszillierendes Subjekt, das zwischen verschiedenen Selbstzuständen wechselt, ohne dass einer den anderen kontrolliert oder unterdrückt. |
| Anerkennungsdefizit | Die frühe Dyade mit der Mutter war asymmetrisch: Die Mutter erkannte das Kind nicht als eigenständiges Subjekt an. Der Patient sucht zeitlebens nach Anerkennung, kann sie aber nicht annehmen, weil er keine stabile Subjektposition hat. |
| Therapeutische Dyade | Der Therapeut muss die Spaltung aushalten, ohne in die Idealisierung oder Abwertung einzusteigen. Die erweiterte Intersubjektivität würde hier die einseitige Anerkennung betonen (ähnlich wie beim Leuchtturm): Der Therapeut erkennt den Patienten an, auch wenn der Patient ihn abwertet. |
Grenze des Modells: Bei BPS gibt es keine invertierte Hierarchie (wie bei Typ 2) – kein sekundäres System kontrolliert das primäre. Die Spaltung ist eine Spaltung des Selbst, nicht eine Spaltung des Bewusstseins in zwei getrennte Ströme. Das erweiterte Modell ist für BPS daher nur begrenzt nützlich – es erklärt die Anerkennungsdynamik, nicht die formale Struktur.
---
Physischer Band: WB_05D – Theoretische Grundlagen der Dynamik: Bindung, Neurobiologie und Psychoanalyse
Keine Banddatei gefunden.