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🇩🇪 WAG-112D 1.0 – Glen Gabbard – Psychodynamische Differentialdiagnostik von Narzissmus, Borderline und dissoziativen Störungen im Vergleich zur strukturellen Dissoziation Typ 2 ¦

Dokumentdetails: 🇩🇪 WAG-112D

Version: 1.0 (Datum: 2026-06-11)

YAML-Daten von WAG-112D
Schlüssel Wert
wa_id WAG-112D
wb_band WB_11D
title WAG-112D:
Glen Gabbard – Psychodynamische Differentialdiagnostik von Narzissmus,
Borderline und dissoziativen Störungen im Vergleich zur strukturellen Dissoziation Typ 2
subtitle WA-Korpus - Band WB_11D
🔗 https://doi.org/10.17605/OSF.IO/42UQH
author Thor Alexander (ORCID: 0009-0007-8347-0962, 🔗 https://osf.io/snmx5/)
version Version 4.0 vom 2026-06-12
footline WAG-112D: Gabbard vs. Typ 2 (V4.0)
abstract Dieses Dokument analysiert Glen Gabbards psychodynamische Beiträge zur Differentialdiagnostik von narzisstischer Persönlichkeitsstörung (NPD), Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPD) und dissoziativen Störungen im Vergleich zur strukturellen Dissoziation Typ 2 (Fall Yenifer/Yenny). Gabbard, ein international renommierter Psychoanalytiker und Psychiater, unterscheidet zwischen dem grandiosen/oblivious und dem vulnerablen/hypervigilanten Subtyp des Narzissmus. Seine klinische Beschreibung der emotionalen Kälte bei NPD – die aus Grandiosität und mangelnder Empathie resultiert – ähnelt oberflächlich Yennys affektiver Abflachung, unterscheidet sich jedoch grundlegend: Yennys emotionale Flachheit ist funktional und strategisch, nicht narzisstisch. Die entscheidende Differenz liegt in der Struktur des Selbst. Bei NPD bleibt das Bewusstsein einheitlich; das grandiose Selbst ist eine intrapsychische Abwehrformation innerhalb eines Bewusstseins. Bei Typ 2 liegt eine Selbstspaltung des Bewusstseins mit einseitiger Amnesie vor. Die Ausführungen gelten für beide Modelle (Typ 2α und Typ 2β), sofern nicht anders vermerkt. Dies ist ein nicht begutachtetes Manuskript und Teil von Band 11 des WA-Korpus zur strukturellen Dissoziation Typ 2.
abstract_en This document analyzes Glen Gabbard‘s psychodynamic contributions to the differential diagnosis of narcissistic personality disorder (NPD), borderline personality disorder (BPD), and dissociative disorders in comparison to structural dissociation type 2 (case Yenifer/Yenny). Gabbard, an internationally renowned psychoanalyst and psychiatrist, distinguishes between the grandiose/oblivious and vulnerable/hypervigilant subtypes of narcissism. His clinical description of emotional coldness in NPD – resulting from grandiosity and lack of empathy – superficially resembles Yenny‘s affective flattening but differs fundamentally: Yenny‘s emotional flatness is functional and strategic, not narcissistic. The key difference lies in the structure of the self. In NPD, consciousness remains unified; the grandiose self is an intrapsychic defense formation within one consciousness. In type 2, a self-splitting of consciousness with unilateral amnesia is present. The findings apply to both models (type 2α and type 2β) unless stated otherwise. This is an unpublished manuscript and part of Volume 11 of the WA Corpus on Structural Dissociation Type 2.
keywords Strukturelle Dissoziation, Typ 2, Gabbard, Narzissmus, narzisstische Persönlichkeitsstörung, NPD, Borderline-Persönlichkeitsstörung, BPD, dissoziative Störungen, Differentialdiagnostik, grandiose Subtyp, vulnerable Subtyp, emotionale Kälte, affektive Abflachung, grandioses Selbst, Selbstspaltung, Objektbeziehungstheorie, Fallanalyse, Yenifer, Yenny, WA-Korpus, K-PTBS, WAG-112
volumes WA-Korpus zur Strukturellen Dissoziation Typ 2 - Integrative Einzelfallanalyse Yenifer/Yenny: 🔗 https://doi.org/10.17605/OSF.IO/DC9EZ

• Deutsch/Original - WB_01D: 🔗 https://doi.org/10.17605/OSF.IO/42UQH
• English - WB_01E: 🔗 https://doi.org/10.17605/OSF.IO/B3D5R
• Español/Latino - WB_01L:
• Русский - WB_01R:
Kapitel 1 von WAG-112D
## 1. Einleitung: Warum Glen Gabbard für die Abgrenzung von Typ 2 relevant ist

Glen O. Gabbard (geb. 1949) ist einer der international renommiertesten Psychoanalytiker und Psychiater der Gegenwart. Sein Werk „Psychodynamic Psychiatry in Clinical Practice“ (5. Auflage 2014) ist ein Standardwerk der psychodynamischen Psychiatrie, das neurobiologische Erkenntnisse mit psychodynamischem Verständnis integriert. Gemeinsam mit Holly Crisp verfasste er das Buch „Narcissism and Its Discontents: Diagnostic Dilemmas and Treatment Strategies with Narcissistic Patients“ (2018), das sich der differentialdiagnostischen Abgrenzung und Behandlung narzisstischer Persönlichkeitsstörungen widmet.

Gabbard ist außerdem für seine Beiträge zur Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen und seine Forschungen zu Übertragung und Gegenübertragung bekannt. In einem Interview von 1992 behandelte er unter anderem die stationäre Behandlung von Patienten mit dissoziativen Störungen sowie den Umgang mit Borderline- und narzisstischen Patienten.

Da der Fall Yenifer/Yenny phänotypische Ähnlichkeiten sowohl mit narzisstischen Persönlichkeitsstörungen als auch mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen aufweist, ist eine kritische Auseinandersetzung mit Gabbards differentialdiagnostischen Konzepten unerlässlich. Die vorliegende Analyse zeigt: Gabbards Beschreibung der emotionalen Kälte bei Narzissmus – die aus Grandiosität, mangelnder Empathie und dem Bedürfnis nach Bewunderung resultiert – ähnelt oberflächlich Yennys affektiver Abflachung. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch ein fundamentaler Unterschied:

- NPD: Emotionale Kälte ist Ausdruck eines grandiosen Selbst, das sich über andere stellt, um das fragile Selbstbild zu stabilisieren. Das Bewusstsein bleibt einheitlich.
- Typ 2: Yennys affektive Abflachung ist funktional und strategisch – sie dient der Aufrechterhaltung der fixen Idee A12 („Jede Veränderung bedroht mein Überleben“). Sie ist nicht Ausdruck von Grandiosität oder mangelnder Empathie, sondern die notwendige Bedingung für die Kontrolle des Systems. Zudem liegt eine Selbstspaltung des Bewusstseins vor (Yenifer/Yenny), die in Gabbards Modell nicht abgebildet ist.

Die zentrale These lautet: Gabbards psychodynamische Differentialdiagnostik von Narzissmus und Borderline ist wertvoll für das Verständnis der phänotypischen Ähnlichkeiten, kann jedoch die spezifische Konfiguration von Typ 2 nicht erklären. Die entscheidende Differenz liegt in der Struktur des Selbst und der Bewusstseinsorganisation.

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Datum der letzten Änderung: 25.09.2026